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Spendenaktion: Stadtfest in Bonn-Bad Godesberg

08. Oktober 2017 - In einem nepalesischen Sprichwort heißt es „die Früchte der Arbeit sind immer süß“ und das konnte man im wahrsten Sinne des Wortes beim Stadtfest in Bad Godesberg vom 15. bis 17. September 2017 erfahren. Insbesondere dann, wenn ein Zuckerberg von mehr als 16 kg Gewicht dabei eine Rolle spielt. An einem Ende des Festes im Zentrum von Bonn standen Alex und Laxmi mit einem Coleman Zelt, das wie eine Jurte aussah. Es war vollgestopft mit Schals und kleinen Sachen aus Pokhara, aus Bergdörfern und noch weiteren zwei Werkstätten in Kathmandu, wo alte Webstühle im Einsatz sind, die aus Chemnitz stammen.

Stadtfest Bad Godesberg KuchenverkaufAlles schön und interessant, aber – verzeihen Sie mir – da sprang kein Funke über. Richtig ab ging es an drei langen Tischen am anderen Ende des Festes in der Fußgängerzone. Zwei Tage lang ging es hier zu wie am Berliner Hauptbahnhof zu Stoßzeiten. Kuchen kamen von links, rechts, aus der Mitte. Bonner Scouts hatten gebacken, Leute aus der Paulus-Kirche brachten Torten und Tarts, andere von Intersport Christel gegenüber vom Stand, Konfirmations-Kinder aus der evangelischen Kirche von Bad Godesberg, Frauen der Katholischen Kirche – große und kleine Freunde Nepals hatten gebacken.

Wir müssen hier kurz für eine Werbung innehalten: wenn Sie jemals in Bad Godesberg weilen, müssen Sie unbedingt Ihre Haare im Salon La Linea in der Alten Bahnhofstr. 22 richten lassen. Der Kuchenstand befand sich vor dem Salon und Birgit Schallenberg, die Inhaberin des Salons, verkaufte nicht nur Kaffee, dessen Erlös an die Freunde aus Nepal ging. Sie stellte auch Pappteller, Utensilien, Kuchen und Tische, an denen die Leute Platz nehmen konnten, um ihren Kaffee und Kuchen zu genießen. Das Personal des Salons half beim Aufräumen der Tische so wie auch Julie (6) und Hannah (8). Diese Frauen opferten ihre Zeit und waren zwei Tage lang je 10 Stunden damit beschäftigt, Kuchen zu schneiden und Kaffee zu servieren.

Acamma lagnu! Wie erstaunlich war es mit anzusehen, wie rasch der Kuchen verschwand – fast 80 Kuchen und 50 kleine Päckchen Marzipanplätzchen. Am Ende eines jeden Tages blieben immer nur ein paar Krümel übrig. Leider konnten Brigitte und ich nicht ein einziges Stück Kuchen kaufen; viel zu schnell war alles weg. Auch ohne unseren Kuchenkauf kamen 1.400 Euro zusammen. Es schien, als rollte eine kleine Armee an Helfern ein immenses Gewicht bis über den Berg hin zu den kleinen Kindern nach Nepal.

Stadtfest Bad Godesberg ArbeitspauseVincent van Gogh sagte einst „große Dinge, wenn viele kleine Dinge zusammenkommen“. Wie wahr! Auf dem Photo sieht man Julie und Hannah während ihrer Verschnaufpause von harter Arbeit. Vor ihnen steht eine Spendendose, die auf einem Kuchentisch stand. Die Botschaft war nicht wirklich subtil, aber wirksam: nach dem Kuchenkauf sollte das Wechselgeld nicht zurück ins Portemonnaie, sondern in die nepalesische Spendendose gesteckt werden. Am Ende zählten wir fast 200 Euro zusammen. Die beiden Mädchen halfen auch, einen Kuchen zu backen. Dhanyabad! Gelegentlich hört man Touristen in Nepal dieses Wort für banale Dinge verwenden, wie z.B. wenn man einem Kellner in einem Restaurant dafür dankt, dass er den Zucker bringt. Dhanyabad ist nicht wirklich das richtige Wort. Traditionell benutzt man es, um Wertschätzung auszudrücken. Das Kuchenprojekt war eine Gelegenheit, die man wertschätzen konnte. Dhanyabad an alle, die geholfen haben!

Stadtfest Bad Godesberg TänzchenOkay, ich gebe zu, den größten Erlös erzielten die Verkäufe am Stand von Alex und Laxmi, aber Spaß gab es am Kuchenstand. Wie man sieht nutzte eine der unerschrockenen Frauen ihre Pause sogar für ein Tänzchen. Die Musik dazu kam von Fred Prünte, der mit seiner Band ebenfalls einen Beitrag leistete.

Mehrere Male hatten wir Mitleid mit Alex und Laxmi und übernahmen den Verkauf in der Jurte, damit sie in Ruhe Kuchen essen konnten. Überraschend zu sehen, wie viele Leute schon in Nepal waren und sich mit der Situation auskannten. Oft stellten Leute fachliche Fragen, erkundigten sich nach Verwaltungskosten und woher die Waren stammten. Glücklicherweise hatte Alex uns bestens vorab informiert. Einer meiner Schlüsselsätze Kunden gegenüber war z.B. dieser: „Dieser Schal oder die Filztasche scheinen nicht wirklich etwas Bedeutungsvolles zu sein, aber für die Frau aus einem Bergdorf, die dieses Teil in Handarbeit hergestellt hat, ist es das. Der Durchschnittslohn in Nepal beträgt 48 Cents pro Tag - vorausgesetzt, es gibt Arbeit." Manche Leute sagten uns leise, wir sollten das Wechselgeld ruhig behalten. Andere bezahlten und schoben uns noch einen Schein zu. Manche kamen vorbei und erzählten von ihrem Aufenthalt in Nepal. Ein Ehepaar war sichtbar berührt von unserem Projekt. An dem Punkt merken wir dann, wir haben etwas bezweckt und jemanden erreicht.

In der Thora (dem heiligen Buch der Juden, auf das sich auch einige Christen beziehen), sagt Gott in Deuteronomium 29.9 und 30.20 „Himmel und Erde mögen euch heute bezeugen: Ich habe euch Leben und Tod gegeben, daher entscheidet euch heute für das Leben!“ Hier sind nicht die großen Entscheidungen gemeint, die man einmal im Leben trifft, sondern all die kleinen Entscheidungen und kleinen Taten. Wie zum Beispiel einen Kuchen backen, ein in Nepal hergestelltes Schmuckstück kaufen. Martin Luther King Jr. erfasste den Sinn dieser Worte, als er sagte „Wir sind gefangen in einem Netz aus Gegenseitigkeit, aus dem wir nicht entweichen können, und werden verbunden durch das Gewand der Vorsehung.“ Für eine kleine Weile waren diese zwei Festtage in Bad Godesberg in der Tat ein Netzwerk der Gegenseitigkeit, bei dem man sich für das Leben entschied.

David und Brigitte Kahan, Bad Godesberg 

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